Eine Photovoltaikanlage produziert nicht immer dann Strom, wenn er benötigt wird. Doch braucht es deshalb eine Hausbatterie? Oder lässt sich Energie günstiger in Form von Wärme speichern? Jörg Worlitschek von der Hochschule Luzern erklärt, welche Lösungen sich für Einfamilienhäuser eignen.
Solarstrom als Wärme speichern
Es macht also durchaus Sinn, bei der Nutzung von Solarenergie auch an Wärmespeicher zu denken. Wird auch das Warmwasser mit der Wärmepumpe erzeugt, kommt meist ein Warmwasserspeicher zum Einsatz. «Wer stattdessen in einen Kombispeicher investiert, kann zusätzlich Heizwärme puffern und damit den tagsüber erzeugten Solarstrom später als Wärme nutzen», erklärt der Experte.
Bestehende Anlagen besser abstimmen
«Doch», räumt Jörg Worlitschek ein, «in der Praxis liegt das grösste ungenutzte Potenzial häufig in der richtigen Steuerung.» Ohne Abstimmung mit der Photovoltaikanlage erwärmt die Wärmepumpe das Wasser, sobald seine Temperatur unter einen festgelegten Wert fällt, also möglicherweise am frühen Morgen, wenn noch kein Solarstrom verfügbar ist. «Oft genügt es, die Warmwasserbereitung auf die Mittagsstunden zu legen. Eine intelligente Steuerung geht noch weiter und schaltet die Wärmepumpe automatisch ein, sobald überschüssiger Solarstrom zur Verfügung steht.»
Diese Abstimmung ist allerdings nicht selbstverständlich: Für Photovoltaikanlage und Wechselrichter ist in der Regel ein anderer Fachbetrieb zuständig als für Wärmepumpe, Heizung und Warmwasser. «Deshalb sollten Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer unbedingt klären, wie die Systeme miteinander kommunizieren und wer für die Einstellungen verantwortlich ist.»
Worlitschek empfiehlt zudem, die Anlage nach rund einem halben Jahr nochmals kontrollieren zu lassen. Falsche Einstellungen können die Effizienz deutlich beeinträchtigen. Es entsteht ein sogenannter Performance-Gap: Die Anlage schöpft ihr Potenzial nicht aus. Hauseigentümer sollten deshalb zumindest in den Grundzügen verstehen, wann die Anlage Strom verbraucht, Wärme erzeugt und Energie speichert.
Wer Photovoltaikanlage und Heizung neu plant, kann alle Komponenten von Anfang an aufeinander abstimmen. Worlitscheks Empfehlung: «Die Photovoltaikanlage möglichst gross und die Wärmepumpe nur so gross wie nötig dimensionieren.» Denn diese werde häufig zu gross ausgelegt. Bei vielen Einfamilienhäusern reichen fünf Kilowatt aus, dennoch werden oft Geräte mit acht oder zehn Kilowatt verbaut.
Wie viel Autarkie ist sinnvoll?
Zurück zu den Speichern: Was in welcher Grösse Sinn macht, hängt neben dem Energieverbrauch auch von persönlichen Zielen ab: Wie wichtig sind Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit, wie viel Platz steht zur Verfügung und was darf die zusätzliche Autarkie kosten?
Für Batterie- und Wärmespeicher gilt: «Ein relativ hoher Autarkiegrad lässt sich mit überschaubarem Aufwand erreichen. Je näher die vollständige Unabhängigkeit rückt, desto grösser und teurer wird der Speicher», sagt Jörg Worlitschek. «Rund 75 Prozent Wärmeautarkie sind vergleichsweise gut erreichbar, die restlichen Prozente jedoch nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand.»
Wärme lässt sich übrigens auch vom Sommer in den Winter speichern. Im Einfamilienhaus sprechen Platzbedarf und Kosten jedoch meist gegen eine saisonale Autarkie. «Sinnvoller sind solche Lösungen bei Überbauungen, Fernwärmenetzen und Quartieren, wo grosse Speicher im Verhältnis günstiger sind und mehrere Gebäude versorgen können. Künftig könnten auch thermochemische Speicher zum Einsatz kommen, die Wärme über Monate nahezu verlustfrei speichern. Für Einfamilienhäuser sind sie derzeit jedoch noch zu teuer.»
Und so kann man abschliessend sagen: «Für Hauseigentümer ist nicht der grösstmögliche Speicher die beste Wahl, sondern ein effizientes Gesamtsystem, in dem Photovoltaikanlage, Wärmepumpe, Warmwasser, Gebäudemasse und Steuerung zusammenspielen. Eine Speicherlösung erhöht die Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit, eine vollständige Loslösung vom Netz muss jedoch nicht das Ziel sein.»